Wilhelm Fiebiger (geb. 1917)

Forever young - Wilhelm Fiebiger, 100 Jahre


Als ich das erste Mal den Artikel von Wilhelm Fiebiger (Natürlich leben 1/2006) las, bin ich sofort in seinen Bann gezogen worden. Ich habe gespürt, dass er uns allen etwas sehr Wichtiges mitteilt. Deswegen hatte ich ihn damals auch direkt angerufen. Wilhelm war sehr nett, er hat sehr lange mit mir telefoniert und alle meine Fragen beantwortet. Er hat sogar unsere damalige Hunsrücker Gruppe Urmethodiker zu sich nach Hause eingeladen. Leider hatten wir seine Einladung nicht wahrgenommen. Aber von da an hatte Wilhelm Fiebiger einen festen Platz in meinem Herzen eingenommen.

Und so habe ich mich sehr gefreut, als ich ein paar Jahre später das Buch "Alt werden - gesund bleiben" von Manfred Bruer gelesen habe: Der Autor hatte Wilhelm Fiebiger ein ganzes Kapitel gewidmet. Wilhelm war inzwischen 94 Jahre alt geworden und war immer noch fit und gesund. Etwas später kam er sogar in die Sendung "Nachtcafé" von Wieland Backes und Wilhelm durfte in der Sendung in den Kopfstand gehen und kurz (für mich viel zu kurz) über sich und sein Leben erzählen.


2014 las ich noch ein Interview mit Wilhelm Fiebiger und 2015 hatte ich endlich das große Glück, ihn auch persönlich kennenzulernen, beim "Alt werden - gesund bleiben" Kongress in Bad Camberg, an dem Wilhelm immer als Referent teilnimmt.

Für mich ist klar: Meine Erwartungen waren weit übertroffen. Wilhelm ist in der Tat noch netter, freundlicher, ausgeglichener, fitter, gesünder, ja, sogar noch schöner, als ich vorher dachte. Wenn man ihm gegenübersteht hat man wirklich Schwierigkeiten zu glauben, dass er schon fast 100 Jahre alt ist. Wilhelm hat so eine tolle Ausstrahlung und man fühlt sich sofort gut in seiner Gegenwart.

Er erzählt gerne, allen die ihm zuhören, sein "Geheimnis". Es ist aber nichts Spektakuläres und eigentlich auch nichts Neues. Es ist genau das, was wir alle eigentlich schon längst wissen. Genau das, was die großen Meister seit tausenden von Jahren uns immer wieder sagen. Vielleicht besteht eigentlich das Geheimnis darin, dass man wirklich tut, was man so gut theoretisch weiß?

Wilhelm steht jeden Morgen früh auf (6 Uhr) und geht früh zu Bett (21 Uhr). Er isst wenig (ca. 400g pro Mahlzeit), hauptsächlich vegane Rohkost. Die erste Mahlzeit, mittags um 12 Uhr, besteht aus Früchten. Die letzte Mahlzeit, gegen 18 Uhr, besteht je nach Jahreszeit aus Salat, Gemüse, Lauch, Sellerie usw. Außerdem isst Wilhelm gern eine Scheibe Bio-Dinkelbrot, die er aber vorher knochenhart werden lässt, um seinen Zähnen (den eigenen!!) auch etwas Arbeit zu geben.

Auch die unter den Rohköstlern berüchtigten kochköstlichen-fleischbetonten Gelüste und Ausnahmen sind für Willi kein Thema: Er ist sich bewusst, dass es seiner Gesundheit abträglich ist und einen Verrat an sich selbst bedeutet.

Sehr wichtig für ihn: Zwischen den 2 Mahlzeiten niemals etwas zwischendurch essen! Und immer gut kauen! Auch legt er viel Wert darauf, in Dankbarkeit und Achtsamkeit zu essen. Er sagt immer vor den Mahlzeiten das folgende Gebet:


"Vater der Liebe, Mutter der Weisheit,

In Dankbarkeit begebe ich mich an die Kraft dieser Speise und bitte Dich:

Nimm alles hinweg, was unlicht darin ist,

und ersetze es mit dem göttlichen Geist

des Lichtes, der Liebe, der Wahrheit, der Demut.

In Namen Deines geliebten Sohnes,

unseres Bruders Jesus, erhöre mich,

auf dass ich im Bewusstsein des Christus wirken kann.

Amen

Ich bitte die geistige Kraft des weißen Lichtes

Um die Reinigung dieser Speise.

Mit meinem Dank segne ich sie,

damit sie mir im Guten dienen möge.

Amen"


Aber Wilhelm weiß auch, wie wichtig die körperliche Bewegung ist. Dreimal täglich, vor dem Essen, geht er für mindestens 5 Minuten in den Kopfstand. Zwischendurch macht er Tiefatemübungen und praktiziert auch die 5 Tibeter mit 21 Wiederholungen. Auch eine ständige gerade Körperhaltung hält er für sehr wichtig, denn nur in dieser kann die Lebensenergie frei fließen. Außerdem hat Wilhelm ein ca. 3000 m² Grundstück, das er in einen Garten Eden verwandelt hat. Wenn das Wetter ihn davon abhält draußen in seinem Garten zu arbeiten, dann nutzt er die Zeit, um in seiner tollen vollausgestatteten Werkstatt (sogar eine Kreissäge hat er!) alle möglichen Sachen zu reparieren, zu richten oder neu zu gestalten. Er erledigt immer noch alle Arbeiten, die in Haus und Garten anfallen selbst, ohne jegliche Hilfe. Er hat auch eine sehr umfangreiche Bibliothek mit über 4000 Büchern: Die Bücherregale füllen sogar die Küche auf!


Aber was Wilhelm für das Wesentliche hält, das wären die Keuschheit und die geistige Einstellung. Er betont immer, dass wir geistige Wesen mit einem materiellen Körper sind und deswegen sei es sehr wichtig, nur aufbauende und positive Gedanken zu pflegen und zu dulden. Sein Lebensmotto: "Gott ist in mir - ich bin in Gott". Wilhelm meint auch, dass die Lehre der Bergpredigt die Grundlage jedermanns Einstellung sein sollte: "Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst und Gott über alles".


Sehr, sehr wichtig ist auch die Vergebung. Und so lebt Wilhelm heute in Frieden mit sich selbst und dem Rest der Welt. Er ist sich stets bewusst, dass alles EINS ist. Seiner Meinung nach besteht unsere Lebensaufgabe darin, nach Vollkommenheit zu streben. Zitat von Wilhelm: "Solange der Mensch ernsthaft an sich arbeitet, zu seiner Vervollkommnung, stirbt er nicht. Er verlängert sich ständig das Leben damit. Man kommt Gott näher und dieses Lebensprinzip wird nicht unterbrochen."


Er weiß auch, dass er immer geschützt und getragen ist: Seine guten Schutzengel sind für ihn eine ständige greifbare Begleitung. Auch dadurch ist Wilhelm ein freier Mensch geworden und hat sich von den Ängsten aller Art befreit: Von Alter, Krankheit und Tod. Er ist auch ein zufriedener und glücklicher Mensch und jeder Tag ist für ihn ein Wunder und eine unschätzbare Schatztruhe, aus der man immer wieder neue Kräfte, Reichtümer und Zauber schöpfen kann.


Wilhelm ist auch der beste Beweis dafür, dass ein langes und gesundes Leben nicht konstitutionell bedingt ist: Als Kind hatte er schwere Rachitis und war sehr mickrig und schwächlich - er schaffte in der Schule beim Turnunterricht nicht einmal einen Klimmzug.


Auch musste er als junger Mann in den Krieg ziehen: Im Dezember 1938 erfolgte der Einzug zur Wehrmacht und im April 1945 wurde er schwer verwundet.

Heute, mit 99 Jahren kann er immer noch die normale Schriftgröße ohne Brille lesen (er braucht eine Lesebrille nur für das Kleingeschriebene). Nur ein Hörgerät braucht er: Das ist die Folge seiner Kriegsverletzung, durch die er ein Trommelfell komplett verloren hat und durch die das andere leider auch noch beschädigt worden ist.


Heute besteht für Wilhelm der Lebenssinn darin, für viele Menschen ein gutes Beispiel zu sein, so dass viele Menschen erkennen können, dass es nur an ihnen selbst liegt, gesund oder krank zu sein.


Wir Menschen vergessen (oder wollen es nicht wahrhaben) allgemein und viel zu oft, dass die größten Dinge im Leben immer zugleich die einfachsten sind. Aber alles was teuer, kompliziert, exotisch, selten ist, betrachten wir, heute vielleicht mehr als je zuvor, als wertvoll. Wir können es nicht mehr glauben, dass das Natürliche und das Einfache eigentlich die wahre Antwort auf alle unsere Lebensfragen darstellt.


Gewissermaßen ist Wilhelm Fiebiger ein Spielverderber. Er bringt durch sein Lebensbeispiel alle gängigen Theorien zum Stürzen. Wenn man seine Geschichte liest oder hört, kann man den schwarzen Peter nicht mehr auf die bösen Gene, die labile Konstitution, die alten Verletzungen, die schweren Lebensbedingungen, die emotionalen Schocks und der gleichen schieben (wo doch alles so bequem für uns war…). Er schwört nicht mal auf eine Wunderpille, irgendwelche exotischen Superfoods oder seltene Heilpflänzchen. Nein, Wilhelm zeigt klar und deutlich, dass es eigentlich nur an uns selbst liegt, gesund zu bleiben oder zu werden und auch im Alter seine geistige, körperliche und seelische Gesundheit zu behalten und so ein würdevolles Leben zu führen. Er demonstriert Schritt für Schritt (und gibt uns auch eine wunderbare Nachmach-Anleitung!), dass es ausreichend ist, ein naturnahes Leben zu führen und die Naturgesetze und die kosmischen Gesetzmäßigkeiten zu achten und zu respektieren und volles Vertrauen in unseren Schöpfer zu haben. Die alten Werte vorzuleben. Frieden in sich, und dadurch auch in die Welt zu bringen. Es ist ganz einfach und jeder von uns kann es tun. Wir brauchen auch nicht viel dafür: Man muss es nur wollen und dann auch tun...


Lieber Wilhelm,

ich danke Dir von ganzem Herzen für alles, was Du uns gibst. Es war für mich eine große Ehre und eine einmalige Chance, Dich kennenzulernen. Ich hoffe, Du wirst lange unter uns bleiben, weil Du siehst es, wir brauchen Dich so sehr!

Alles Gute und Liebe,


Mihaela Walter
Heiberaterin für ganzheitliche Gesundheit

Belgien, Mai 2015


Update 1 - Am 31. Mai 2015 hatte Wilhelm mich noch zu sich nach Hause eingeladen, um mir sein Reich zu zeigen. Es war wunderschön und ich habe das kleine Paradies von Willi reichlich beschenkt verlassen: Außer seiner Zeit und Freundschaft, die unbezahlbaren Ratschläge und Lebensweisheiten, hat er mir neben Büchern, Bio-Obst und Gemüse noch einen Yogastuhl für den Kopfstand geschenkt. Ich liebe diesen Stuhl und so gehe ich jetzt auch regelmäßig, mehrmals am Tag, in den Kopfstand. Und ich denke jedes Mal voller Dankbarkeit und Freude an Willi...


Update 2, August 2016 - Auch in diesem Jahr bin ich Willi ein paar Mal begegnet: Im Mai beim "Alt werden - gesund bleiben" Kongress, im Juli und August habe ich ihn wieder besucht. Es geht ihm gut, er ist gesund, fröhlich und flink, hat sogar zuletzt die Lichtnahrung noch ausprobiert (er hat dadurch aber viel Gewicht verloren und so hat er eingesehen, dass es für ihn vielleicht doch nicht das Richtige ist). Seine Bibliothek ist noch mehr gewachsen und sein Garten belohnt ihn weiter reichlich für die Mühe und die Liebe, die tagtäglich in die Gartenarbeit steckt. Jetzt ist sogar ein Film über ihn gedreht worden und er wird anlässlich seines 100. Geburtstages (06.04.2017) an sehr vielen Aktionen teilnehmen. Mehr Infos auf Aktuelles.






Du bist so jung wie deine Zuversicht

Von Albert Schweitzer (1875 - 1965)
nach dem Gedicht "Youth" von Samuel Ullman (1840-1924)

Jugend ist nicht ein Lebensabschnitt, sie ist ein Geisteszustand.
Sie ist Schwung des Willens,
Regsamkeit der Phantasie,
Stärke der Gefühle,
Sieg des Mutes über die Feigheit,
Triumph der Abenteuerlust über die Trägheit.
Niemand wird alt,
weil er eine Anzahl Jahre hinter sich gebracht hat.
Man wird nur alt, wenn man seinen Idealen Lebewohl sagt.
Mit den Jahren runzelt die Haut,
mit dem Verzicht auf Begeisterung aber runzelt die Seele.
Sorgen, Zweifel, Mangel an Selbstvertrauen, Angst und Hoffnungslosigkeit,
das sind die langen, langen Jahre,
die das Haupt zur Erde ziehen
und den aufrechten Geist in den Staub beugen.
Ob siebzig oder siebzehn, im Herzen eines jeden Menschen
wohnt die Sehnsucht nach dem Wunderbaren,
das erhebende Staunen
beim Anblick der ewigen Sterne
und der ewigen Gedanken und Dinge,
das furchtbare Wagnis,
die unersättliche kindliche Spannung,
was der nächste Tag wohl bringen möge,
die ausgelassene Freude und Lebenslust.
Du bist so jung wie Deine Zuversicht,
so alt wie Deine Zweifel,
so jung wie Deine Hoffnung,
so alt wie Deine Verzagtheit.
Solange die Botschaft der Schönheit, Freude und Größe
der Welt, des Menschen und des Unendlichen,
Dein Herz erreichen,
solange bist Du jung.
Erst wenn die Flügel nach unten hängen
und Dein Herz vom Schnee des Pessimismus
und vom Eis des Zynismus bedeckt ist,
dann erst bist Du wahrhaft alt geworden.

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    Kommentare 1

    • Liest sich fast alles sehr gut und nachahmenswert. Aber, wenn alle keusch werden ... Das ist der riesige Knackpunkt im Gesamtmodell.